200 Polizisten zuviel in der Unihalle
Von admin | 18. November 2009 | Kategorie: Bielefeld | Keine Kommentare »Der im Sommer ausgerufene bundesweite Bildungsstreik geht auch in Bielefeld in eine härtere zweite Runde.
Während mehr als 1000 Schüler und Studenten unter der Beobachtung sehr zahlreicher Sicherheitskräfte am Dienstag Nachmittag im Rahmen der Aktion Bündnis Bildungsstreik 2009 in der Innenstadt gegen Fehler im Bildungssystem und Studiengebühren protestierten, wollte der Rektor der Universität Bielefeld den 40. Geburtstag der Universität Bielefeld mit seinen 600 geladenen Gästen beim Sekt feiern.
Um die 600 Gäste vor 300 protestierenden Studenten in der Unihalle zu schützen, rückten 200 Polizisten in die Uni ein.
Das hätte es in meinen Uni Tagen wohl nicht gegeben: 200 Polizisten in der Unihalle! Der Stolz und das Selbstverständnis der universitären Bildungselite, Konflikte und Diskussionen selbstverständlich ohne Rückgriff auf das staatliche Gewaltmonopol zu lösen scheint sich in Zeiten der immer härter werdenden sozialen Auseinandersetzungen aufgelöst zu haben.
Die 600 vom entspannten Smalltalk abgehaltenen Gäste werden nun mit einer leichten Ahnung der kommenden sozialen und bildungspolitischen Auseinandersetzungen nach Hause zurück gekehrt sein. Aufgrund einer desaströsen Sozial- und Bildungpolitik in allen Bereichen von der Kita bis zur Habilitation wird so manchem ein wenig mulmig werden, wenn dieser Staat sich auch seiner Kinder und Enkel nur mit Hilfe von hoch gerüsteten Polizeibeamten annimmt.
Leider hilft die lokale Tagespresse (hier und hier) bei der Analyse der komplexen Thematik nicht viel weiter. Hier erscheint der “Student” eher als Störer der geliebten städtischen Abläufe und Gewohnheiten (z.B. freie Fahrt auf dem Jahnplatz).
In zahlreichen Städten, so in Münster, Marburg, Darmstadt, Tübingen oder Bielefeld kam es zu “exekutionellen” Räumungen, die nicht immer friedlich verliefen. Bestellt von Rektoren und Führungskadern, die zu ihrer Zeit vor 25 Jahren selbst so manches Audimax besetzt hielten und gerichtet gegen die unzufriedenen “Kunden” des “Unternehmens Hochschule” , die unter einer missglückten Bologna-Reform leiden.
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