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Globalisierung auf ostwestfälisch

Als die Frau auf der Geburtsstation des Bielefelder Krankenhauses Mitte aus der Narkose erwachte, hieß es nur: „Dem Kind geht es gut.“ Sie wollte ihr Kind sehen. Aber es wurde ihr gesagt, dass es nach Herford gebracht wurde. Die Eltern dachten, das Kind sei „schwer krank in eine Spezialklinik gebracht worden“. Doch sie erfuhren, dass ein Herforder Kinderarzt das Baby untersucht.

Von der Kooperation mit dem Klinikum Herford war zuvor nicht die Rede gewesen, auch nicht, dass bei manchen Frühgeborenen ein Transport anstehen kann. Noch vor kurzem galt für das Klinik Mitte: Bei Risikoentbindungen wird das Kind von einem erfahrenen Kinderarzt der nahe gelegenen Kinderklinik Gilead in Bielefeld-Bethel in Empfang genommen.

Drei Wochen lang fuhr die Familie nach Herford, manchmal brachte der Vater abgepumpte Muttermilch mit. Fragen zu einer Verlegung in die Kinderklinik Bethel seien abgeblockt worden. Dann erreichte der Vater den Wechsel doch. Zuvor hatte er sich in Bethel und bei der Krankenkasse informiert. Der Säugling blieb dort noch vier Wochen. Heute geht es dem Jungen gut.

Muss erst Kind im Stau auf der Herforder Straße sterben, bis dieser kostensparende Kooperationsskandal der Öffentlichkeit bewusst wird? Wir essen zwar Zwiebeln aus Ägypten, Avocado vom Kap, Litschis aus Madagaskar und verschenken Rosen aus Kenia. Auch Milch kann ruhig aus Bayern zu uns kommen. Atlantik-Shrimps in Marokko verarbeitet? Schön und gut. Aber bei Neugeborenen sollte auch in Bielefeld gelten: Jeder Kilometer Transport auf der Straße ist schon zuviel.

Wieso konnte der über Jahre bewährte Kooperationsvertrag des Klinikums Mitte mit dem Kinderkrankenhaus nicht verlängert werden? Das fragen sich auch die Bielefelder Kinderärzte.

Die Bielefelder Kinderärzte befürchten, dass sich die Versorgung Neugeborener in der Region verschlechtert. Die Kooperation der Geburtsklinik des Klinikums Mitte mit dem Klinikum Herford gilt schon ab dem 1. September 2007. Und das Klinikum Herford musste Personal, Know-How und Räumlichkeiten erst mal neu etablieren, um diesen Vertrag erfüllen zu können.

Risiko-Neugeborene und Frühgeborene seien besondere Patienten, sagt Kinderarzt Dr. Müller: „Ihr Zustand kann sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechtern.“ Babys zur intensivmedizinischen Behandlung nach Herford zu verlegen, „muss aus medizinischer Sicht abgelehnt werden“. Bethel liege in der Nähe und biete obendrein Perinatalzentrum, Kinder- und Neurochirurgie: kürzerer Transport, bessere Versorgung.

 

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